Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei

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Philipp Schwalb, Öl auf Leinwand, 2010, 65 x 95 cm
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Portrait Nr. 31
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Teilnehmende Künstler:

Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei

Thomas Arnolds, Georg Baselitz, Jessica Buhlmann, André Butzer, Günther Förg, Stefanie Gutheil, Secundino Hernández, Jan Holthoff, Marcel Hüppauff, Maki Na Kamura, Jan Koch, Maja Körner, Jannis Marwitz, Jonathan Meese, Monika Michalko, Daniel Mohr, Jan Muche, Natasza Niedziolka, Benedikt Richert, Christian Rothmaler, Christoph Ruckhäberle, Adam Saks, Philipp Simon, Philipp Schwalb, Roger Wardin, Thomas Winkler, Ulrich Wulff, Michael Wutz

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Informationen zur Ausstellung

Wir freuen uns, Sie aufs Herzlichste zur konstituierenden Ausstellung der Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei einzuladen.

Wir freuen uns auf Sie. 

Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei
11. Dezember 2010 - 15. Januar 2011

Ort: Galerie Börgmann   Südwall 55   47798 Krefeld

Vom Ausstellungssekretär der Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei wurde uns Folgendes übermittelt:

Die Farbe herrscht über allem.

Alles Erscheinende ist Farbe. Weiche, widerständige und reiche, an Kontrasten volle Farbe. Bald dünn und flüssig, samtig und seiden, bald hart und trocken, spröde und porös. Indem die Töne unmittelbar, unverstrichen nebeneinander stehen bleiben, macht die venezianische Malerei jeden Realismus obsolet. Es sind ein einfaches, kräftiges und ausgesprochenes Kolorit und jene Kontraste, die man hinreißend primitiv nennen kann. Nichts als Farbe also, mit der flächig gestaltet wird.

Ein venezianische Bild stellt die Erscheinungen der Welt zur Schau. Es breitet sie aus. Festigt sie auf der Fläche. Richtet sie ikonostatisch einer Wand gleich auf. Aus der Fläche, dem Format, den Grundrichtungen entwickelt sich gelassen das Bildmäßige, das Bildfigürliche, das Bildfarbige. Wie nirgends sonst in der neueren Malerei obsiegt hierin die Frontalität der Darstellung. Verlangt das Repräsentative doch nach Ruhe. Und venezianische Bilder sind ruhig.

Eine derartige Bildvorstellung ist mit der Fläche unauflöslich verbunden. Das Bild entsteht auf der Fläche und durch die Fläche. Auf dieser in sich ruhenden Fläche sammelt sich nun alles oder dehnt sich fließend aus. Ein offenes Sichentfalten, das durchaus mit Gewalt oder Gewaltigem oder Gewaltsamen geschehen kann. Sämtliche Motivdinge werden in kleinste Formteile zerstückt, allein um mit ihnen das Bildfeld gleichmäßig und dicht anzufüllen, ja, um sie geradezu in die Fläche einzubetten. Jedes Etwas ist zwar in sich gegründet und am je eigenen Ort gegründet, zugleich aber fest und unverrückbar ins Bildganze eingefügt.

Nie geht es um den einzelnen Körper oder ein einzelnes, dominant aufdringliches Motiv, sondern stets um den flächentotalitären Zusammenhalt. Jedes noch so unscheinbare Partialobjekt wird über seine Gegenständlichkeit hinaus, um nicht zu sagen gegen diese, zu einem abstrakten Element innerhalb des gesamten, umfassenden Bildbaus. So dass es in der malerischen Malerei Venedigs eine wunderbare Stille und Offenheit gibt, etwas Elementares und Zeitloses, das zerstreut und das Auge wandern lässt. Mit gewandter und fließend anmutiger Grazie im Farbvortrag wird jede Materie leicht, schwebend und schmeichelnd, aber durchaus auch krustig wie lufttrockenes Salz auf einer wimpelumhangenen und von Weiß und Rot umkränzten Buhne.

Das Venezianische in der Malerei beschränkt sich nicht bloß auf das vermeint objektiv Prächtige, vielmehr holt es aus jedem Ding das Schmückende heraus. Von Venedig aus gesehen, ist die Welt ornamental. Der unmittelbare, phänomenale Wert der Erscheinungen ist vollends losgelöst von jeder alltagsdumpfen gegenständlichen oder geistigen Bedeutung. Es ist der Wert der Linien und Flächen und Farben an sich, der zu reinstem Flächenschmuck erhoben wird. Eben diese ornamentale Auffassung lässt die Fläche als solche zu ihrer vollen Geltung sich auswachsen. Die Kunst der Venezianer besteht gerade darin, dass die Fläche vor dem Einzelnen den Vorzug behält. Das Ornamentale verdichtet sich nicht zum vereinzelten Ornament. Das Flächenornamentale entfaltet hingegen erst die bildmäßige Einheit und festigt mit asymmetrischer Balance, gewagten Massenantithesen und konstantem Kontrast den Vorrang des Bildganzen vor seinen einzelnen Teilen.

Das Ornamentale siegt über das Organische, denn Durchsichtigkeit war und ist nie Sache der großen dekorativen Meister Venedigs gewesen: Was man nicht sieht, existiert nicht. Nichtsdestotrotz bewahrt das Schöne mit gewissem Pathos, doch ebenso mit Raffinement und Schlichtheit stets die Möglichkeit zur Unform, zum Ungestalten. Schließlich will man die Welt zwar enthüllen, dabei aber entrückt bleiben.

Das venezianische Wunder dieses Dekorativen ist die augenumgarnende Tatsache, dass man über all das gegenstrebige Zu- und Widereinander von Farben und Formen auf der Bildfläche in keinem Augenblick hinausdenken wollte. Alles geschieht aus der Farbe in der Farbe auf der Fläche. Also, von der Wirklichkeit loskommen, um ihr nah zu sein.

Das ist nicht Wahn, das ist Sparta; denn mit ebengleichem Eigensinn ragt die venezianische Malerei aus der europäischen Kunstgeschichte. Ein wenig muss man Acht geben allerdings, um nicht wie Ralph Rumney als „im Dschungel von Venedig verschollen" gemeldet zu werden. „Wann beginnt die venezianische Malerei, die allenthalben als Inbegriff des Malerischen gilt?", mag man zudem noch fragen. „Unentwegt!" ist die Antwort.

Ach, und bisweilen liegt die himmelblaurosane Serenissima auch am Niederrhein.